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19. Januar 2014

Barolo venerabilis

von Eckhard Supp - Geplant hatte ich diese "Verkostung" schon länger, nur leider war sie nie zustande gekommen. Und so lud ich schließlich einfach ein paar Freunde zu mir nach Hause ein und öffnete mit ihnen zusammen einen Teil der Barolos aus den 1980er Jahren, die noch in meinem Keller schlummerten. Und sie waren großartig! Fast alle noch in Form, obwohl der eine oder andere seinen Höhepunkt schon überschritten hatte, und manche der Flaschen wirkten, als hätten sie ruhig auch noch einmal 10 oder 20 Jahre reifen können.


Acht dieser zwölf Barolos ehrwürdigen Alters (Jahrgänge 1982 bis 1990) schafften es bei unserer Altweinverkostung in die Gläser. (Foto: E. Supp)

Bevor es den Baroloflaschen an den Kragen, pardon den Korken ging, machte ich allerdings noch einen kleinen Test und servierte drei Weißweine "blind" aus numerierten Karaffen. Und obwohl der eine oder andere der Teilnehmer an unserer glücklichen Runde durchaus mit der Sorte Erfahrung hatte, endete das Erraten von Sorte, Herkunft oder Jahrgängen, wie es angefangen hatte: als absoluter Blindflug. Veltliner, Chenin blanc oder Arneis waren die Namen, die durch den Raum schwirrten, und die Überraschung war riesig, als ich die Flaschen präsentierte: Drei Mal Silvaner aus Franken, ein Mal 2012, ein Mal 2007 und ein Mal 2006.

Der mit Abstand spannendste der drei war der 2007er Silvaner Asphodill vom Homburger Kallmuth der Fürsten Löwenstein: dichtes, leuchtendes Gelb, im Duft nussig-karamellig, dicht, mit enormer Kraft am Gaumen, sehr burgundischer Stil, gegenüber der Vorprobe noch einmal verbessert. Kein Wunder, dass niemand erriet, woher der Wein stammte. Aber auch der 2012er Würzburger Stein aus dem Juliusspital zeigte große Klasse, und der 2006er Rödelseer Küchenmeister von Wolfgang Weltner präsentierte sich außerordentlich gut gereift, weich und einschmeichelnd am Gaumen.

Dann waren die Barolos an der Reihe, wobei wir immer 2er-Gruppen aus dem gleichen oder zumindest benachbarten Jahrgängen köpften. Hier die Notizen:

Paolo Scavino Bric del Fiasc 1982
leuchtendes Rot, noch verhalten und sauber im Duft, Karamell, rote Früchte, eine Spur medizinalischer Töne, am Gaumen sehr fein, gute Länge, aber auch schon sehr schlank, hat seinen Höhepunkt hinter sich ****

Rocche dei Manzoni 1982 Riserva
sehr frische, anfangs verhaltene Frucht, am Gaumen noch viel Kraft und Süße, geht im Glas aromatisch auf, sehr schöner, gut gereifter Wein *****

Fontanafredda Vigna La Rosa 1985
tiefe Würze im Duft, lässt im Glas relativ rasch nach, aber immer noch viel Saft und Leben, schönes Tannin gibt viel Halt, besser bewertet als im November 1990 *****

Elio Altare, Arborina 1985
noch extrem frischer Duft, am Gaumen großes Saftpaket, lebendiger, großer Wein mit sehr feiner Tanninstruktur, der unumstrittene Star der Verkostung mit insgesamt 8 Barolos aus den 1980er Jahren *****


Der absolute Star unter den gereiften Barolos des Abends: Elio Altares Arborina des Jahrgangs 1985 (Foto: E. Supp)

Ceretto Briccho Rocche Brunate 1986
im Duft noch sauber, aber wenig Volumen, kaum noch Ausdruck und Tiefe, ein schwächerer Jahrgang, der seinen Höhepunkt schon lange hinter sich hat ***

Sandrone Cannubi Boschis 1987
eindeutig auf dem Weg nach unten, dennoch guter Trinkgenuss in der kurzen Zeit, bevor er im Glas zerfällt, vielleicht war es aber auch nur eine schwache Flasche ****?

Batasiolo Corda della Briccolina 1988
schönes, reifes Rot, tiefer Tee- und Rosenduft, noch sehr frisch am Gaumen, dicht, mit Saft und Kraft, sehr schöner Wein, der seit 1992 noch einmal zugelegt hat *****

Pio Cesare Ornato 1990
tiefer, würziger Duft mit Tee und Rosen, am Gaumen Kraft, Saft, gute Tannine, immer noch fast auf dem Niveau von Januar 2002, perfekt gereift *****

Ach ja: Bevor der 1990er Ornato in die Gläser kam, hatte es eine kleine Diskussion um diesen Jahrgang gegeben. Ob er wirklich groß war, ob die Weine reifen konnten. Grund genug für mich, in meinen Keller hinabzusteigen und einen weiteren 1990er, diesmal allerdings aus der Toskana, aufzumachen. Hier das Resultat - zumindest für Italien sollte das die unselige Diskussion über den Jahrgang 1990 eigentlich beenden. Sollte ...

Marchesi Antinori Solaia 1990
tiefdunkle, frische Farbe, im Duft noch die typischen Cabernetaromen, Cassis, Blaubeeren, am Gaumen frisch wie bei den Vorproben vor mehr als 20 Jahren, tolle Länge, ein großer Wein *****

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