WorldWine Blog

08. November 2013

Château Wattblick

von Eckhard Supp - Es ist wieder mal viel die Rede von Norddeutschland. Sogar in der Weinszene. Eigentlich ist das ja recht erstaunlich, denn aus Nordeutschland kam seit Jahrhunderten kein Wein. So um 1600 war das vielleicht anders ... aber heute? "Warum kann man Norddeutschland keinen Wein anbauen?" ist denn auch eine Frage, die nicht nur ein naiver User auf gutefrage.net stellte, der sich dafür die Antwort einhandelte: "Wein braucht direkte Sonneneinstrahlung. Weil in ganz Deutschland sie Sonne bekanntlich nur schräg scheint, und nie senkrecht, muss man Wein auf Bergen (Südhängen) anbauen. In Norddeutschland gibt es aber kaum Berge, deswegen auch keinen Weinanbau! So einfach!" Nun, so einfach ist es eben nicht. Tatsache ist: Es gibt Weinbau in Norddeutschland. Es gibt ihn auf Sylt, in einigen Gemeinden des schleswig-holsteinischen Festlands, in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sowieso, und, was auch ausgesprochene Spezialisten oft nicht wissen, auf der Insel Föhr im nordfriesischen Wattenmeer.


Sonne satt ... das gibt es selbst auf der Nordseeinsel Föhr. Wenn auch nicht immer. (Fotos: E. Supp)

Eigentlich war es Zufall, dass ich die Weinberge zwischen Wyk und Nieblum entdeckte, obwohl die nur wenige Meter hinter dem Strand lagen, an dem ich seit Jahren mit der Familie Urlaub mache. Eine Freundin hatte mich darauf aufmerksam gemacht, und wie es der Zufall will, kannte sie auch den "Winzer", einen Landwirt aus dem Flecken Süderende im Westen der Insel. Insgesamt 2 Hektar, aufgeteilt in gleich große Flächen in den Gemeinden Nieblum und Alkersum bewirtschaftet Christian "Dicker" Roeloffs heute, die mit den frühreifen und mehltauresistenten Zuchtsorten Johanniter und Solaris bestockt sind.


Hinter dichten Baumreihen versteckt liegt, nur wenige Meter vom Strand der Gemeinde Nieblum entfernt, einer der beiden Weinberge von Waalem. Christian "Dicker" Roeloffs, Landwirt aus Süderende, bewirtschaftet die Solaris-Reben mit Hilfe seines Sohnes Lenz.

Roeloffs ist ein "echter" Föhrer Bauer, kein zugereister Pfälzer, Rheinhesse oder Rheingauer, dem die nördlichen Reben im besten Fall etwas mehr Publizität bringen, sondern einer, der seinen Lebensunterhalt ursprünglich mit Milchvieh, Schweinen und Ackerbau verdiente. Von Weinbau träumte er nicht mal, allenfalls hatte er eine vage Idee, einmal selbst Bier brauen zu können. Der Bau des Museums Kunst der Westküste in Alkersum brachte ihn dann auf die Idee des Weinbaus: "Wir hatten jetzt Kunst, wir hatten Käse, fehlte eigentlich nur der Wein", meint er verschmitzt, und der Zufall half ihm, einen Partner zu finden, der auf Föhr nicht nur Reben pflanzen wollte, sondern auch in die Idee einer kleinen Ausbildungsstätte investierte.

2009 wurden die ersten Reben gesetzt, 2010 und 2011 nachgepflanzt, und die Idee der Akademie am Strand von Nieblum, stolz schon jetzt als Château Waalem bezeichnet, das auch einmal den Keller beherbergen soll, nahm in den darauffolgenden Jahren Gestalt an. Mit Ausnahme eines Schaumweins, der im Rheingau versektet wird, vinifiziert Roeloffs seine Weine zum 100 % auf Föhr, nur beraten von einem Winzer aus dem Süden. Auch einen Wein gibt es schon, einen schleswig-holsteinischen Landwein "Réserve Waalem", der vorläufig nur auf Föhr selbst zu finden ist, von dem ich aber den Jahrgang 2012 verkosten konnte: helles Stroh, leicht kräuterig-würziger Duft, am Gaumen etwas wenig Dichte und Tiefe, was vermutlich auf die noch junge Reben zurückzuführen ist, im Abgang leicht vegetal, aber nach mehreren Tagen in der offenen Flasche dann aromatisch viel komplexer, sogar mit einer Spur Würze.

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im letzten Sommer(2013)

im letzten Sommer(2013) hatten mein Mann und ich die Möglichkeit, den "Chateau Waale" im Restaurant "Klein Helgoland" zu probieren, wo man auch glaswise bestelen konnte. Es war eine große Überraschung, denn der Wein war ausgezeichnet im Geschmack, sodaß wir trotz des heftigen Peises jeder noch ein zweites Glas bestellten.
Zu Weihnachten veschenkten wir mehrere Flaschen, unter anderem auch an meinen Neffen, der aus einer schwäbischen Weinfamilie stammt und oft bei seiner Oma in Süderende weilte. Hier folgt nun sein Kommentar:
"Die Flasche kommt im klassischen Design französischer Loire-Weine. Abgesehen von der schmalen Zeile "Schleswig-Holteinischer Landwein" und dem sehr kleingedruckten Hinweis "Abgefüllt für ....Nieblum/Föhr" gibt s keinen Hiweis auf die Herkunft. Die Bezeichnung lässt vermuten, dass Wein/Traubensaft aus dem Ausland zugekauft wurde. Das Etikett mit seinem Chateau und dem Namen Waalem legt beinahe eine holländische Kolonie als Herkunft nahe. Hier hätte ich ein Weinfeld vor einem Friesenhaus als Aufmacher besser gefunden, um auf das Besondere des Inhaltes hinzuweisen. Dr Korken istvon hervorragender Qualität. Ansonsten ein Wein, leicht und spritzig, der den Vergleich mit vielen "entre-deux-mers" Weinen nicht zu schen braucht."
Ich hoffe dass dieser kleine Beitrag Christian Roeloffs gefällt und freue mich auf die nächste Verköstigung einer Flasche, die im Keller noch auf uns wartet!
Mit feundlichen Grüßen
Christina Luise Jürgens
Bredland 6
25938 NIEBLUM

Na, da Sie ja offenbar direkt

Na, da Sie ja offenbar direkt hinter Waalem wohnen, kennen Sie das Projekt wahrscheinlich sogar besser als ich. Mir war der gut versteckte Weinberg in den Jahren vor meinem Besuch noch nicht aufgefallen, obwohl wir in Nieblum fast schon zum Ortsmobiliar gehörten :-)

Hallo, weiß jemand zufällig,

Hallo,
weiß jemand zufällig, wo es den Wein auf Föhr zu kaufen gibt? Ich würde ihn gern verschenken.
Danke im Voraus für eure Hinweise!

Upps, das weiß ich leider

Upps, das weiß ich leider nicht. Aber es gibt auf der Insel ein Restaurant, das ihn angeblich führt: das Alt Wyk in der Großen Straße 4. Vielleicht wissen die mehr.

Den Wein kannst Du u.a. in

Den Wein kannst Du u.a. in Nieblum im Edekaladen Hückstädt,
Jens-Jakob-Eschel-Str. 27 bekommen

Hab ich auch gerade gesehen,

Hab ich auch gerade gesehen, allerdings nur den Weißen, nicht den Schaumwein, der auch produziert wird. Und einen schönen Prospekt dazu gibt's jetzt auch.

den sekt gibt es im edeka in

den sekt gibt es im edeka in oldsum, den wein beim edeka in nieblum und im edeka utersum. um 20€ der wein, 30€ der sekt. in oldsum sogar mit ausdruck der supp'schen verkostungsnotizen.

Oh, da hab ich ja was

Oh, da hab ich ja was verpasst :-)

DAS kann ich noch nicht

DAS kann ich noch nicht beurteilen... Also - bezüglich des Weins. Von den drei Edeka ist Utersum am besten sortiert. Das kann ich schon beurteilen.

ach so, wegen der notizen!

ach so, wegen der notizen! ja. :-) die flaschen lagen da in einem weidekorb und dazu ein zettel mit den worten.

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