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09. Januar 2010

Das Internet und die Medien – 2. Teil: Woran leiden die Printmedien?

Von Eckhard Supp – Ist es wirklich das Internet, das derzeit die Printmedien bedroht, oder sind nicht vielmehr deren eigene Qualitätsverluste und mangelnde Anpassungsfähigkeit der Grund für die aktuelle Krise von Zeitungen und Zeitschriften? Dies zu ergründen, soll der zweite Teil unserer Serie versuchen. Worin könnten solch existenzielle Schwächen der Printmedien liegen? Nun, ganz allgemein gesprochen auf zwei Ebenen: der eines schleichenden Qualitätsverlusts und der der nicht angenommenen Herausforderung durch das Internet.

Die erste Gefahr hat Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Zeit, vor zwei Jahren auf einer Berliner Jahrestagung der Zeitschriftenverleger benannt: Es ist der generelle Qualitätsverfall, der viele Printmedien schon seit Jahren infiziert hat, und den unter anderem die bereits zitierte Internetseite von Stefan Niggemeier so gerne aufs Korn nimmt.

Ein weiteres, sehr schönes Beispiel für diesen Qualitätsverfall ist das Thema Wein und seine Behandlung in einer der renommiertesten Publikationen Deutschlands, dem Stern, dessen teilweise unterirdische „Leistungen“ ich wiederholt ausführlich dokumentiert habe (s. beispielsweise hier oder hier und hier, und der erst kürzlich mit einem anderen Ressort Gegenstand der Niggemeierschen Kritik war. Ist es ein Zufall, dass ausgerechnet der Stern im letzten Jahr auch Online hinsichtlich der Visits und Page Impressions stagniert und an Reichweite sogar verloren hat? Übrigens: Die neue Zeitschrift „Beef“ aus dem selben Verlag, steht dem Stern in dieser Hinsicht in nichts nach, wie man hier nachlesen kann.

Hand aufs Herz! Wie viele unserer schönen „mainstreamigen“ Printpublikationen, wie viele Kollegen aus den Wirtschaftsressorts und –publikationen haben in den letzten Jahren einmal den (meist von Politik und Wirtschaft) gut bezahlten Berufsoptimismus unserer vielen, medial omnipräsenten Wirtschaftswaisen, pardon Wirtschaftsweisen, hinterfragt und auf die drohende Gefahr der Krise hingewiesen – selbst als diese Ende 2007 schon unübersehbar am Horizont stand? Wie viele haben seinerzeit den Hype um die „Volksaktie“ der Telekom nicht (!) mitgemacht und mitgeschürt?

Ein gefährlicher Virus

Der Qualitätsverlust, den Giovanni di Lorenzo ansprach, ließe sich an unzähligen weiteren Beispielen illustrieren (s. dazu auch ein aktuelles Gerichtsurteil, das hier dokomentiert ist), und die Auflagenverluste, die ich im ersten Teil angesprochen habe nicht (!) mit diesem Verfall in Beziehung zu setzen, erschiene mir, höflich gesagt, ziemlich fahrlässig.

Auch wenn es nicht in allen Publikationen und allen Ressorts zu so offensichtlichen Fehlentwicklungen kam wie in der Weinpresse, in der oft nur noch PR-Mitteilungen abgeschrieben und, noch schlimmer, sogar als eigenständige journalistische Leistung verkauft wurden: Eine ihrer wichtigsten Funktionen neben der reinen Informationsverbreitung, nämlich die, öffentliche und private Macht zu kontrollieren und zu kritisieren, hat diese Art Presse schon lange aufgegeben. Die Quittung dafür hat der Leser gegeben, und auch wenn das von Dirk Manthey z. B. hier geschilderte Zeitungssterben in den USA in seinen Dimensionen weit gravierender zu sein scheint, als das, was wir aus Deutschland und Europa kennen, so ist die Tendenz doch unverkennbar die gleiche.

Um es noch einmal klar zu sagen: Der skizzierte Qualitätsverfall betrifft nicht alle traditionellen (Print-)Medien gleichermaßen, und es ist kein Zufall, wenn Publikationen wie Spiegel und Zeit, wie FAZ und Süddeutsche mehr oder weniger stabile Auflagen aufweisen, andere Titel dagegen nicht!

Natürlich ist es vermessen, zu behaupten, die klassischen (Print-)Medien hätten auf solch miese journalistische Qualität ein Monopol, wie das der eine oder andere Web-2.0-Protagonist gelegentlich vollmundig und etwas unverfroren anklingen lässt. Nein, das Problem stellt sich bei Online-Medien teilweise noch viel gravierender, vor allem, da hier aufgrund der weit verbreiteten Praxis des automatischen, ungeprüften Aggregierens von „Nachrichten“ (das Geschäftsmodell des neuen Burda-Portals nachrichten.de) jede Falschmeldung eine bis dato unbekannt schnelle und weite Verbreitung findet.

Das Problem aus Sicht der Printmedien ist allerdings, dass mangelhafte journalistische Qualität im Internet, wo (noch) fast sämtlicher (News)Content gratis zu erhalten ist, auf weit mehr „Toleranz“ der Leser trifft („‘Nem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul!“) als bei mehr oder weniger teuren Zeitungen und Zeitschriften. So, wie die miese Qualität der Sendungen bei den kostenlosen Privat-TV-Sendern häufig auf weniger Kritik trifft als bei den per Zwangsabgabe finanzierten Öffentlich-Rechtlichen Sendern.

Vielleicht ist das ja auch der eigentliche Grund, der den einen oder anderen Verleger zu so waghalsigen und vehementen Angriffen getrieben hat: Dass da plötzlich Leute daherkommen, die dem geneigten Publikum vor Augen führen, dass ihre geliebten, traditionsreichen Medienmarken schon lange nichts Besonderes, Unverwechselbares, Einzigartiges mehr sind, dass die Qualität der Information, die sie liefern, auf einem Niveau angelangt ist, das austauschbar ist mit unprofessionell erarbeitetem und qualitativ minderwertigem Content, wie ihn das Web im Überfluss bietet.

Schwächen und Stärken des Prints

Die zweite große Schwäche der Printmedien betrifft die Herausforderungen, die der Erfolg des Webs für alle klassischen Medien darstellt, dies ganz besonders für die Printmedien, die aber gerade dort – Ironie der Geschichte (oder Schlafmützigkeit von Verantwortlichen wie Redakteuren) – so merkwürdig folgenlos blieb.

Wir haben im ersten Teil dieser Serie gesehen, dass das Internet die Wesenselemente der klassischen Medien in sich vereint. Es erlaubt die Verwendung aller Contenttypen, bildet diese aber mit geringerer Qualität ab. Im Print werden wohl noch auf absehbare Zeit längere Texte mit Potenzial zu größerem analytischen Tiefgang zu lesen sein, wird die Qualität der Bilder noch lange der Pixelwüste des Bildschirms überlegen sein. Haptik und Rezeptionsintensität, nicht zuletzt das emotionale Erlebnis des Lesens sind wohl nie vom Web zu erreichen. Paradoxerweise könnte das Internet dagegen denjenigen der alten Medien qualitativ am nächsten kommen, wenn es nicht sogar ganz mit ihnen verschmilzt, die es im Moment am wenigsten zu bedrohen scheint: dem Radio und dem Fernsehen. Dagegen gibt es viele Elemente, die im Internet weit besser aufgehoben scheinen. So sind beispielsweise Schnelligkeit und Aktualität der Nachrichtenverbreitung zwei Attribute, die eindeutig auf das Konto des Internets gehen, aber dies soll erst später Gegenstand der Betrachtung sein. [...]


Ausserdem fehlt allen

Ausserdem fehlt allen Weinmedien die Ironie. Von Selbstironie ganz zu schweigen..

Auch hier ein Widerspruch.

Auch hier ein Widerspruch. Internetmedien bekommen Anzeigen (ich sogar ohne mit Zahlen herumwerfen zu müssen), wenn sie optisch ansprechend sind und ein klares Ziel erkennen lassen. Mir soll es Recht sein, wenn das keiner kapiert, denn so lange habe ich mit CaptainCork die Nase vorne. Und alle die nach mir kommen, machen mich nur nach. Wir haben hier von Anfang an mehr Geld in die Hand genommen. Und unsere Ausgaben halten sich trotzdem in Grenzen. Mag sein, dass der Captain einmal vor seiner Zeit das letzte Segel setzen muss (denn irgendwann will der Investor sein Geld zurück), doch ein Anfang für Neues wurde gemacht.

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