WorldWine Blog

15. Februar 2012

Götterdämmerung bei Parker?

von Eckhard Supp - Dass Robert M. Parker, für viele seit Jahrzehnten der einflussreichste Weinkritiker der Welt, sich in den letzten Jahren immer weiter aus den Verkostungen für seine Publikation "The Wine Advocate" zurückgezogen hat, ist kein Geheimnis. Anfang Februar erst gab er bekannt, in Zukunft auch keine kalifornischen Weine mehr selbst verkosten zu wollen - eine Arbeit, die er Antonio Galloni übertrug, dessen Portfolio damit Italien, die Champagne, das Burgund und Kalifornien umfasst. Jetzt aber wird spekuliert, dass Galloni schon in absehbarer Zeit die Gesamtverantwortung für den Wine Advocate übernehmen und damit auch offiziell zum Nachfolger Parkers werden könnte.

In einem heute Nacht erschienenen Artikel berichtet Daniele Cernilli, Ex-Chef des italienischen Weinführers Gambero Rosso, von immer lauter werdenden Stimmen, die wissen wollen, dass Galloni die Koordination der Arbeiten, wenn nicht sogar das Eigentum am Wine Advocate übertragen werden solle. Als Quellen werden der Organisator des Grand Jury Européen, François Mauss - von Cernilli merkwürdigerweise in François Masse umbenannt - sowie nicht weiter spezifizierte Önologen und Winzer genannt. Für Cernilli gilt Mauss als zuverlässige Quelle, da angeblich eng mit Galloni befreundet.

Cernilli spekuliert auch bereits darüber, ob sich damit die gesamte Ausrichtung des Wine Advocate verändern könnte - weg von der Vorliebe Parkers für kräftige bis massive Weine hin zu eleganteren Weinen mit klarerem Terroircharakter. In angelsächsischen Publikationen, normalerweise recht gut auf dem Laufenden, was Parker und den Wine Advocate betrifft, findet sich allerdings bis dato noch keine Nachrichten von einem bevorstehenden oder gar bereits erfolgten Macht(Besitzer)wechsel. 

Die Verantwortlichkeiten beim Wine Advocate seit dem 1. Februar 2012

(aus einem Rundbrief von Parker an die Abonnenten des Wine Advocate, zitiert von vinography.com)

Robert Parker - Bordeaux, Rhône sowie ältere Jahrgänge von Bordeaux, Rhône und Kalifornien
Antonio Galloni - Italien, Champagne, Chablis, Côte d'Or, Kalifornien
David Schildknecht - Deutschland, Loire, Beaujolais, Mâconnais, östliche USA, Österreich, Osteuropa, Languedoc-Roussillon, Jura
Jay Miller - Oregon, Washington, Südamerika, Spanien
Lisa Perrotti-Brown - Australien, Neuseeland
Neal Martin - Südafrika
Mark Squires - Israel, Portugal, Griechenland.

Unklar an dieser Liste ist lediglich, warum noch immer Jay Miller in ihr aufgeführt ist, der sich ja nach dem Campogate (s. die zahlreichen Artikel von Jim Budd) von der Arbeit für den Wine Advocate zurückgezogen hatte, bzw. wer seine Gebiete jetzt übernommen hat. Auch zu diesem Punkt haben wir den Wine Advocate um eine Stellungnahme gebeten.

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Parker ohrfeigt Italien


Neal Martin degustiert sehr

Neal Martin degustiert sehr gut und beschreibt gekonnt und präzise. Er ist zwar für Südafrika zuständig, jedoch sind praktisch sämtliche Bordeaux-Online-Notizen von Robert Parker ebenfalls mit den Kommentaren von Neal Martin ergänzt.

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