WorldWine Blog

25. Mai 2012

Österreich - Das Exportdrama geht weiter

von Eckhard Supp - "Österreich zieht sich aus dem Billigsegment zurück", war die Antwort überschrieben, mit der die Österreich Wein Marketing GmbH vor wenigen Wochen auf die kritischen Berichte antwortete, mit denen Mario Scheuermann und ich selbst seit Sommer vergangenen Jahres die österreichischen Exportzahlen kritisch unter die Lupe genommen hatten (s. dazu Quo vadis Austria 4 - Das Imperium schlägt zurück). Im Lichte der jüngsten Zahlen, die Mario Scheuermann heute morgen veröffentlichte (Immer weniger Wein aus Österreich), sieht es wohl eher so aus, als sei Österreich zumindest in Deutschland dabei, sich gleich vom gesamten Weinmarkt zurückzuziehen.

In der Tat! Schaut man sich die aktuellen Zahlen der destatis-Datenbank genauer an - dass diese wesentlich genauer sind, als die Daten, die Österreich selbst erhebt, hatten die Wiener im oben zitierten Beitrag ja mehr oder weniger zugegeben -, ergibt sich aus ihnen ein ziemlich tristes Bild.

In der Kategorie "Wein aus frischen Weintrauben" sanken die österreichischen Ausfuhren nach Deutschland von 649.000 hl im Zeitraum Januar bis März 2011 - einem ohnehin schon desaströsen Jahr, in dem sich der Deutschland-Export gegenüber 2010 halbiert hatte - auf nur noch 587.000 hl in den gleichen drei Monaten dieses Jahres. Dabei war der Fassweinexport, der ja in den vergangenen Jahren so dramatisch hatte Federn lassen müssen, sogar noch relativ stabil und legte im März 2012 gegenüber dem Vergleichsmonat 2011 sogar von 24.000 auf 42.000 hl, d. h. um 75 % zu. Umso schlimmer traf es dagegen das eigentliche core business der Österreicher, den Flaschenweinexport. Gegenüber 500.000 hl im Jahre 2011 schafften es die Österreicher in diesem Jahr nur noch, knapp 448.000 hl bei den hassgeliebten "Piefkes" unterzubringen (- 10,4 %). Für den Monat März, der traditionell zu den absatzstärkeren Monaten des Jahres gehört, ergab sich sogar ein Einbruch von sage und schreibe 33 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Und das auf dem mit Abstand wichtigsten Exportmarkt, der bis vor kurzem noch zwei Drittel der gesamten Ausfuhrmengen des Landes abnahm!

Der Einbruch ist so dramatisch, dass ich mir fast sicher bin, dass auch die österreichischen Statistiken ihn jetzt nicht mehr beschönigen können, ganz egal, wie viel Prosecco u. Ä. die Wein Marketing noch als "österreichischen Weinexport" in ihre Statistiken aufnimmt.

Beim Umsatz sehen die Zahlen in den ersten drei Monaten zwar nicht ganz so dramatisch aus - der nur sehr moderate Gesamt-Umsatzverlust hat sogar zu einem relativen Wertzuwachs von 1,93 auf 2,11 EUR pro Liter geführt (beim Flaschenexport von 2,18 auf 2,41EUR), aber auch hier wieder zeigt der Bild auf den letzten Erhebungsmonat, den März 2012, ein dramatisches Bild: - 29 % für den Flaschenweinexport, die einstige Bastion der österreichischen Wertschöpfung.

Wenn in Wien angesichts dieser erneut deprimierenden Zahlen jetzt immer noch nicht die Alarmglocken angehen, dann ist in Österreich auf absehbare Zeit wohl wirklich Land unter angesagt. Die zwischenzeitlich gehörte Hoffnung, vielleicht könne die bevorstehende VieVinum die Dinge wieder richten, erscheint beim Blick auf die letzten Jahre allerdings auch illusorisch. Beim Vergleich von zwei Jahren mit und zwei Jahren ohne die Wiener Messe ergibt sich keinerlei statistisch belastbarer Zuwachs des Exports im Zeitraum nach der größten Weinmesse der Österreicher - mal waren die Monate nach dem Juni in Messejahren besser, mal schlechter als die der ersten Jahreshälfte, und für messefreie Jahre gilt dasselbe.
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