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15. März 2012

Quo vadis Austria? - 3 oder: Wen veralbert die ÖWM?

von Eckhard Supp - Falsche Exportzahlen, so das Resümee, das Mario Scheuermann und ich selbst kürzlich in unserer Auseinandersetzung mit der Österreich Wein Marketing zogen, haben den Österreichern in den letzten Monaten wiederholt dazu gedient, ihren buchstäblich zusammengebrochenen Export nach Deutschland zu verschleiern und zu beschönigen.

Statt des selbst proklamierten, großartigen und erfolgreichen Jahres 2011, so meine auf Statistiken der Statistik Austria und des Statistischen Bundesamtes basierende Beweisführung, mussten der österreichische Weinbau im letzten Jahr vermutlich nicht nur einen Rückgang der Exportmengen in beispielloser Höhe verzeichnen, sondern erlitt auch Umsatzverluste von fast 20 Prozent gegenüber 2010. Jetzt kam es sogar noch dicker: die neuesten österreichischen Statistiken zeigen, dass die Österreich Wein Marketing vermutlich in der seit Juli letzten Jahres köchelnden Diskussion bewusst die Unwahrheit behauptet und verbreitet hat.

Das Hauptargument der Österreicher, um den Rückgang der Exportmengen zu begründen, von dem vor allem der immens wichtige deutsche Markt betroffen war - zwei von drei Litern exportierten österreichischen Weins landen schließlich bei uns -, hatte immer gelautet, man habe den Markt schlicht nicht bedienen können, da die Ernten 2009 und 2010 so extrem niedrig ausgefallen waren.

Ich hatte bereits im September gezeigt, dass dieses Argument hinsichtlich des Jahres 2009 auf tönernen Füßen stand. Denn die österreichische Erntemenge hatte in jenem Jahr lediglich wenige Prozentpunkte unter dem fünfjährigen Mittel der vorhergehenden Jahre gelegen - alles andere als ein dramatischer Einbruch. Und die tatsächlich sehr kleine Menge 2010 konnte ebenfalls nicht am verzeichneten Exporteinbruch Schuld sein, denn der machte sich bereits Monate, bevor die ersten Trauben des Jahrgangs 2010 eingebracht wurden, massiv bemerkbar.

Jetzt aber zeigen die neuesten Weinbestands-Statistiken von Statistik Austria, wie sehr die gesamte Argumentation verlogen war. Ungeachtet der geringen Erntemengen 2010 hatten die Österreicher nämlich zu jedem Zeitpunkt immense Mengen Wein in ihren Kellern liegen. Die Behauptung, der deutsche Markt sei eingebrochen, weil man ihn mangels Wein nicht habe beliefern können, ist schlichtweg falsch - genauso falsch wie alles, was die Österreich Wein Marketing in den letzten Monaten in dieser Sache von sich gab.

Die österreichischen Bestandsmengen im Zeitraum 2009 - 2011 (Stichtag jeweils der 31.7.) betrugen 3,01, 2,70 bzw. 2,19 Mio. hl. Berücksichtigt man die Tatsache, dass der gesamte Österreichische Weinexport (selbst unter Zugrundelegung der ÖWM-eigenen Zahlen) 2011 nur etwa 450.000 hl betrug, so muss man feststellen, das Österreich zu jedem Zeitpunkt innerhalb der letzten drei Jahre mindestens das Vierf- bis Fünfache der Gesamtexportmenge noch in den Kellern liegen hatte. Das gilt auch und insbesondere für den Zeitpunkt, an dem unsere lange Debatte begonnen hatte, den Juli des vergangenen Jahres.

Selbst wenn man die, erst seit 2010 gesondert ausgewiesenen Bestände nicht-österreichischer Weine aus dieser Menge herausrechnet (2010 etwa 2 %, 2011 etwa 6 % der Gesamtmenge), so ergibt sich immer noch ein Lagerbestand, der um ein Vielfaches größer war als alles, was der deutsche Markt je hätte abnehmen können. Und dabei handelte es sich nicht etwa um minderwertige Ware, Landweine oder Ähnliches: Der Löwenanteil der Lagermengen bestand aus Qualitäts- und Prädikatsweinen! In diesem riesigen Weinsee von 2 Mio. hl, der im vergangenen Juli in österreichischen Kellern schlummerte, soll nicht genug Menge und Qualität gewesen sein, um eine Nachfrage von - je nach Lesart - 80 oder 100 Tsd hl auf dem deutschen Markt zu befriedigen, wenn diese denn tatsächlich bestanden hätte? Absurd! Ich frage mich angesichts dieser Zahlen, die der Österreich Wein Marketing natürlich schon im letzten Jahr bekannt waren: Wen versucht man in Wien eigentlich hinter's Licht zu führen? Nur die internationalen Medien, denen man erst jüngst wieder eine bombastische Erfolgsmeldung ins Haus geschickt hat, oder auch die eigene Kundschaft, die österreichischen Erzeuger und Weinvermarkter?

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