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12. April 2012

Südafrikas Export brummt - Tendenz zum Fasswein beschleunigt sich

von Eckhard Supp - Wollen Sie die gute oder die schlechte Nachricht zuerst, lautet eine Frage, die in gefühlt 95 % aller Folgen deutscher TV-Serien nicht fehlen darf. Nun, im Falle der jüngsten südafrikanischen Export-Zahlen, die uns gerade erreichten, ist die gute Nachricht deutlich gewichtiger: Der Weinexport vom Kap brummt! Die schlechte oder zumindest nicht ganz so gute Nachricht: Die Tendenz weg vom Flaschen- und hin zum Fassweinexport, die wir bereits mehrfach diagnostizierten, hält an.

Betrachten wir zunächst die Gesamtzahlen. Die unterscheiden sich in ihrer Tendenz in der Jahresbetrachtung teilweise deutlich von denen des ersten Quartals 2012. Im Jahresvergleich ergibt sich für die 12 Monate zwischen April 2011 und März 2012 nur ein marginaler Mengenzuwachs von 1 % beim Gesamtexport - betrachtet man nur die ganz aktuelle Entwicklung des ersten Quartals 2012 im Vergleich zum Vorjahresquartal, so ergibt sich eine Absatzsteigerung von immerhin 21 %. Insgesamt wurden in den abgelaufenen 12 Monaten knapp 3,65 Mio. hl exportiert - im Vorjahr waren es nur 3,61 Mio. hl. Im 1. Quartal 2012 gingen knapp 90 Mio. hl ins Ausland, während es 2011 nur 73,8 Mio hl waren. Setzt sich dieser Trend aus dem ersten Quartal fort, so dürfte Südafrika 2012 im Export absolute Traumergebnisse erzielen.

Dabei haben sich die wichtigsten Auslandsmärkte durchaus unterschiedlich entwickelt. Großbritannien, das im Jahresbezug dramatisch verloren hat (- 18 %), zeigt im Vergleich der ersten Quartale 2012 schon wieder stabilere Zahlen (+ 7 %). Deutschland legt in beiden Betrachtungen deutlich zu - im ersten Quartal 2012 allerdings weniger als im Jahresvergleich, der US-Markt dagegen ist im ersten Quartal förmlich explodiert (+ 375 %). Von den 10 wichtigsten Exportmärkten der Südafrikaner legen im Jahresvergleich neben Deutschland auch die USA, Dänemark, Kanada, Russland und Frankreich zu, Belgien zeigt sich stabil und Großbritannien sowie Schweden und die Niederlande verlieren teilweise drastisch. Im ersten Quartal 2012 zeigen sich neben Deutschland auch Großbritannien, die USA, Kanada, Russland, Frankreich und Belgien gut aufgestellt, in Schweden und den Niederlanden geht der Schwund weiter und Dänemark verliert ebenfalls. Die USA haben aufgrund dieser Entwicklung inzwischen Schweden und die Niederlande praktisch links liegen lassen und könnten sich stabil als dritt wichtigster Absatzmarkt nach Großbritannien und Deutschland etablieren.

Kopf an Kopf: Großbritannien und Deutschland

Ob die Deutschen den Briten auf Dauer den ersten Platz in den südafrikanischen Exportlisten streitig machen können, wie es sich Anfang dieses Jahres schon einmal kurzfristig angedeutet hatte, bleibt abzuwarten, und hängt wohl vor allem von der Entwicklung beim Fassweinexport ab. Vielversprechend ist die Tatsache, dass der traditionelle Fassweinabnehmer Deutschland in den abgelaufenen 12 Monaten eines der beiden einzigen Länder unter den Top Ten war (neben Kenya), in dem der Import von gefüllter Ware zugenommen hat - der von Fassware allerdings noch stärker -, während in praktisch allen anderen wichtigen Märkten der Südafrikaner der Import von Flaschenwein deutlich zurückging, der von Fasswein dagegen teilweise dramatisch zunahm. Mit leichten Variationen zeigt sich diese Entwicklung auch im ersten Quartal 2012, in dem vor allem die Explosion der amerikanischen Fassweinimporte (+ 2.724 %, sic!) ins Auge fällt. Ist das so etwas wie die Internationalisierung des "deutschen Modells"?

Immer schwieriger wird es angesichts dieser Entwicklung, noch mit Sicherheit zu sagen, welche Weine wirklich in welchem Land getrunken werden - das leidige Problem der Reexporte, auf das wir in der letzten Zeit sehr häufig hingewiesen haben. Wesentlich einfacher ist dagegen die Interpretation der Tendenzen, was die Weintypen bzw. die Rebsorten angeht, die Südafrika exportiert. Da lässt sich im 12-Monats-Zyklus ein klarer Trend zu den Weißweinen (+ 8,6 %) feststellen, während die Roten Federn lassen müssen (-3,5%) und die Rosés sogar deutlich verlieren (- 12,1 %). Besonders beliebt sind derzeit Chardonnay und Sauvignon blanc, Chenin blanc hält einigermaßen die Stellung, wobei diese Entwicklung immer noch besser ist als die Situation vor einem Jahrzehnt, als Chenin blanc so unpopulär war, dass nicht wenige Winzer die Sorte sogar ausreißen wollten. Dennoch ist Chenin blanc natürlich immer noch mit weitem Abstand Mengenführer der weißen Sorten im Export. Bei den Roten zeigt Pinotage eine durchaus erfreuliche Entwicklung (+ 55,5 %), während Cabernet Sauvignon auf dem Rückzug ist (- 10,8 %). Hier geht der Mengenpokal allerdings an die Sorte Shiraz, gefolgt von Cabernet, Pinotage und Merlot. Interessant ist, dass bei den Weißen die drei Spitzenreiter 58 % der exportierten Mengen stellen, bei den Roten aber die vier meistverkauften Sorten nur 35 %.

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