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02. Dezember 2013

Trinken Sie eigentlich Ätna? - Tasca d'Almerita in Hamburg

von Eckhard Supp - "Haben Sie schon mal einen Wein vom Ätna getrunken?" Die Frage, die "Master of Wine" Caro Maurer als Moderatorin des Abends den Gästen des Hamburger "I Vigneri" stellte - hervorragende sizilianische Küche vom japanischen Chefkoch -, war wirklich nicht rhetorisch gemeint, aber ihre Antwort hätte man dennoch vorhersagen können: Natürlich nicht, und wahrscheinlich wussten nicht mal mehr als eine Handvoll Anwesende, dass am Ätna überhaupt Wein erzeugt wird, noch weniger, dass der Name dieses heißen Ofens sogar für ein eigenständiges Anbaugebiet steht. Und eigentlich standen ja auch gar keine Weine vom Ätna im Mittelpunkt des Abends - eine Ausnahme gab es -, sondern die des zentralsizilianischen Weinguts der Conti Tasca d'Almerita, auch unter dem Namen Regaleali bekannt.


Weinbau am Ätna. Hier erzeugen die Conti Tasca einen reinsortigen Nerello Mascalese namens Tascante. (Foto: Firmenfoto)

Giuseppe Tasca war persönlich nach Hamburg gekommen, und so bot sich neben dem Kennenlernen seiner neuesten Weine bzw. Jahrgänge auch die Möglichkeit, das Weinmarketing der Italiener zu diskutieren. Dass Italien auf dem für seine Weinwirtschaft so eminent wichtigen Markt im letzten Jahrzehnt kaum noch präsent war, darüber musste man nicht lange streiten. Dass die Renommierappellationen wie Barolo und Brunello, die Top-Regionen wie Toskana und Piemont sich davor hüten müssten - es aber nicht tun - dem schlechten Beispiel des Burgund in den 1990er-Jahren zu folgen, auch das war nicht umstritten. Dort war man von den Mengen, die in Deutschland abgesetzt werden konnte, so begeistert, dass man entschied, eigentlich auf diesem Markt keine Markteting-Aktivitäten mehr nötig zu haben. Die Folge: Innerhalb weniger Jahre sank das nach Deutschland exportierte Volumen um ca. ein Drittel.

Riecht wie Pinot, schmeckt wie Nebbiolo

Die Frage war vielmehr: Wie können kleine, spannende Appellationen neue Märkte erobern, wie können sie auf sich aufmerksam machen. Und da zeigte sich Tasca erstaunlich aufgeschlossen und professionell. Eine echte Story bräuchten diese Nischennamen, Emotionen, Authentizität ... Und genau daran fehle es, so die einhellige Meinung in der Runde. Deshalb also hatte keiner der Gäste des Abends zuvor Ätna getrunken, hatte je von dieser sizilianischen Appellation gehört.

Dass das wirklich schade war und ist, bewies der einzige Wein vom Ätna, den Tasca aus seiner Tenuta Tascante im Gepäck hatte: Ein reinsortiger Nerello Mascalese von recht hellem Rot, der ein wenig nach Pinot noir roch, erdige und würzige Noten zeigte, und mit seiner recht schlanken und eleganten, aber dennoch von Tanninen geprägten Struktur an einen leichteren Nebbiolo erinnerte. Klare vier Sterne für diesen Tascante 2009.

Deutlich bekannter, vielleicht auch "mainstreamiger" war der Cabernet Sauvignon 2009: dunkles Rubin, Cassis und vegetale Noten im Duft, saftig, fest, ein wenig Paprikaschote am Gaumen, schöner, lebendiger Wein, der noch reifen kann und schon sehr verwegen über die Grenze zu den fünf Sternen lugte. Die schaffte dann der große Klassiker der Tasca, der Rosso del Conte 2008: dichtes Rubin, im Duft sehr eigenwillig, Rauch, gegrilltes Gemüse, Kardamom, auch eine Spur verbranntes Gummi, fest, elegant, schöne Länge noch präsentes Tannin. Sehr schön präsentierte sich auch der weiße, reinsortige Grillo Cavallo della Fate 2012: grüner Apfel, Mandarine im Duft, gute Struktur, etwas wenig Saft am Gaumen, Aromatik und Länge ok, mit der Erwärmung etwas mehr Volumen und Zitrusfrucht und vier Sterne. Etwa auf demselben Niveau der Chardonnay 2011: schönes Strohgelb, im Duft Mineralik und Frucht, gute, feste Struktur, kühler Weintyp, nicht die Spur fett, trotz Holzausbau und hohem Alkohol.

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