WorldWine Blog

02. Juli 2011

Weinimport: Deutschland sortiert sich neu

von Eckhard Supp - Deutschlands Weinimport kommt langsam wieder in die Gänge - das geht aus den Zahlen hervor, die das Statistische Bundesamt auf seiner Datenbank destatis veröffentlicht hat. Mit dem Neustart einher gehen einschneidende Änderungen bei der Herkunfts- und Preisstruktur der importierten Weine. Vor allem Österreich muss massive Einbrüche beklagen.

Sowohl in der Menge wie auch beim Erlös und beim Wert pro Liter konnten sich Deutschlands Weinimporteure in den ersten vier Monaten des Jahres wieder über positive Zahlen freuen. Nach zwei Jahren, in denen Importmengen (von 524 auf 499 Mio l) und -erlöse (von 736 auf 651 Mio EUR, Zahlen jeweils für die Monate Jan-Apr) deutlich zurückgegangen und der Durchschnittspreis zwei Mal hintereinander um mehr als 3,5 % gesunken war, zeigten sich die Importmengen 2011 fast stabil (-1,23 % gegenüber 2010), die Umsätze sogar deutlich erholt (+2,82), was einen relativen Wertgewinn (Preis / l) von 4,11 % bedeutete.

Von dieser generellen Tendenz profitierten die Lieferländer allerdings extrem unterschiedlich. Während Frankreich und Italien nach zwei mauen Jahren sowohl in der Menge wie auch bei den Erlösen (und in geringem Umfang auch bei den Erlösen / l) deutlich zulegten, musste Spanien, das vor allem 2009 massiv verloren hatte, noch einmal auf 1 % in der Menge und 2 % im Wert verzichten. Portugal legte in der Menge sogar um fast 8 % zu und verkaufte insgesamt 3,38 % mehr als in 1-4 / 2008, musste seine Weine aber auch deutlich billiger abgeben: -8 % gegenüber 2010 und sogar -19 % gegenüber 2008.

Auch Griechenland erholte sich etwas, hatte jedoch 2009 und 2010 so dramatische Verluste beklagt, dass auch im mittelfristigen Jahrsvergleich mit 2008 2010 noch immer über 30 % in der Menge und knapp 30 % im Wert fehlten. Ungarn schickte gegenüber 2008 mehr Wein nach Schland (+18,87 %), dies aber um den Preis eines Wertverfalls von 22,94 % (auf Jahresbasis 2008 - 2010 hatte dieser Wertverfall sogar fast 27 % betragen) - und die Schweiz legte zwar beim relativen Wert um sage und schreibe 84 % zu, verlor gleichzeitig aber 61,5 % (auf Jahresbasis 2008-2010 62 %) ihrer Exportmengen.

Dramatisch war das Deutschlandgeschäft für unsere österreichischen Nachbarn, bei denen offenbar das gesamte Fassweingeschäft - und nicht nur das - zusammenbrach. Während hier der Jahresvergleich 2008 - 2010 noch positiv war (Menge + 7, Wert + 11 %) gingen die Mengen zwischen Januar und April dieses Jahres um etwa 47 % (!!!), der Erlös um knapp 22 % zurück. Das hatte zwar zur Folge, dass sich der Durchschnittserlös pro Liter um 47 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum erholte - es könnte eine normale statistische Auswirkung der Tatsache sein, dass das gesamte Billigsegment (Fasswein) wegbricht -, aber ob das außer einer überschaubaren Zahl österreichischer Spitzenwinzer irgend jemanden freuen kann, wage ich zu bezweifeln. Mario Scheuermann hat auf seinem drinktank die Lage des österreichischen Exports gerade sehr genau unter die Lupe genommen (jetzt gibt es auch einen direkten Link zu dem toll recherchierten Artikel) und dabei festgestellt, dass von diesem Desaster mitnichten nur der Fassweinexport betroffen war.

Was die Neue Welt betrifft, so zeigt der mittelfristige Vergleich 2008-2010 bei Australien und Neuseeland starke Zugewinne in der Menge, aber auch einen deutlichen Preisverfall von 20,7 bzw. 31,7 %, der im ersten Trimester 2011 unverändert andauerte bzw. sich sogar noch verstärkte (-26,12 / -31,12 %). Die Weine aus USA, Südafrika, Argentinien und Chile wurden dagegen immer teurer, wobei Argentinien davon bis 2010 kaum profitierte, da das Land auch fast die Hälfte seiner Exportmengen nach Deutschland verlor. Im statistische Vergleich der ersten vier Monate präsentiert sich Südafrika am stabilsten unter den Neue-Welt-Ländern. Zwar verlor das Land ein wenig Menge (-4,62 %), steigerte dabei aber die Erlöse - die Durchschnittserlöse sogar um 8,54 % gegenüber 2010 und um 10,96 % gegenüber 2008.

Ein interessantes Detail am Rande: In den meisten Ländern spiegelten die ersten vier Monate des Jahres im untersuchten Zeitraum ziemlich gut den allgemeinen Jahrestrend. Ausnahmen sind z. B. Frankreich, wo das Gesamtjahr wertmäßig (v. a. beim Preis / l) immer unter dem starken Einfluss des Jahresendgeschäfts mit Champagner steht, das naturgemäß in den ersten vier Monaten nicht stattfindet.


Sorry Eckhard, aber das

Sorry Eckhard, aber das klingt doch sehr nach gekränkter Eitelkeit. Du weißt doch sehr gut, wie es wirklich aussieht: die Fassweinexporte sind wie zu erwarten und bereits Ende letzten Jahres (nicht nur von mir) angekündigt zusammengebrochen und auch die in Österreich gefüllten Preis-Einstiegs-Veltliner aus dem Discount, die mengenmäßig zwar sehr bedeutend waren, aber kaum Wertschöpfung brachten. Das führt zu den Rückgängen im Export. Kein einziger Weintrinker, der gerne Österreich trinkt, wendet sich ab. Das ist doch alles totaler Blödsinn. Fragt doch mal im Fachhandel nach. Oder bei Winzer Krems, die im LEH im gehobenen Bereich arbeiten: die lagen bis Ende März immer noch im Plus. Also versuch doch bitte mal, sachlich zu argumentieren.

Sascha, wo Du in meinem

Sascha, wo Du in meinem kurzen Abschnitt über Österreich - ich gehe davon aus, den meinst Du - gekränkte Eitelkeit liest, wird wohl Dein Geheimnis bleiben müssen. Die Tatsachen, die ich aufführe, bestreitest Du ja offenbar auch nicht, und was das für das Land bedeutet, können wir dann ja in aller Ruhe in zwei, drei, vier Jahren betrachten. Generell gesprochen, glaube ich nicht, dass ein Totaleinbruch von zwei ökonomisch wichtigen Marktsegmenten (Fass, Preis-Einstieg) für ein Land ohne Folgen bleiben kann.

@Sascha Speicher Einen

@Sascha Speicher
Einen Einbruch bei Export von Fassweinen hat jeder vorausgesagt, der 2 und 2 zusammenzählen kann. Aber natürlich nicht in diesem desaströsen Ausmass. Und schon gar nicht, das auch der Flaschenweinexport dermassen zurückgehen würde. Es gibt sicher einzelne Exportbetriebe, die noch gut dastehen, aber in toto ist das Absatzminus Richtung Deutschland das grösste seit 1985/86. Bevor Sie derartige Kritik üben, sollten sie erstmal die Zahlen studieren.

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