WorldWine Blog

02. Juli 2012

Weinstatistik: Deutschland freut sich

von Eckhard Supp - Nein, nicht über die verlorene Europameisterschaft freuen sich die Deutschen, aber, glaubt man dem Deutschen Weininstitut (DWI), zumindest doch über die aktuellen Weinstatistiken. Diesen Eindruck jedenfalls muss man gewinnen, wenn man die jüngsten Mitteilungen des DWI liest. "Weinkonsum weltweit gestiegen", heißt es da, und Frank R. Schulz, im DWI für die Internetkommunikation zuständig, plusst auf Google fröhlich: "Starten wir mit einer guten Nachricht in die frische Woche!" Wer die Statistiken des Internationalen Weinbüros OIV, Grundlage für so viel Fröhlichkeit beim DWI, etwas genauer liest, kann sich über den versammelten Frohsinn allerdings nur wundern.

"Im vergangenen Jahr wurden weltweit 244 Hektoliter Wein konsumiert, was einem Anstieg von drei Millionen Hektolitern ... entspricht", beginnt die Mitteilung des DWI. Was das DWI nicht sagt, ist, dass Deutschland einen immer kleineren Teil dieses wachsenden Weindurstes auf der Welt stillt. Wie wir bereits im März dieses Jahres auf dem WorldWine Blog schrieben, sind die Netto-Exportzahlen des deutschen Weinbaus, d. h. die Exporte wirklich deutschen Weins, ohne die zuvor importierten und dann wieder reexportierten Mengen zu berücksichtigen, seit 2000 um 25 %, seit 1993 sogar um 35 % gesunken. Der Weltweinmarkt wächst also, aber die deutschen Exporte sinken beständig. Eine wahre Meisterleistung!

Auch wenn man die deutschen Zahlen mit denen anderer Exportnationen vergleicht, wird das Desaster in seinem gesamten Ausmaß deutlich: Italien beispielsweise hat 2011 nach den Zahlen des OIV 41,6 Mio hl Wein erzeugt und davon 58,2 %, d. h. 24,2 Mio. hl exportiert. Die im Land verbleibende Weinmenge von 17,4 Mio. hl hat ca. 75 % des Weinkonsums der Italiener gedeckt. Deutschland dagegen hat von seiner Produktion von 9,6 Mio. hl nur kärgliche 15,6 %, d. h. 1,5 Mio hl exportiert und auch mit dem restlichen Wein nur 40,5 % des eigenen Konsums decken können.

Das Problem dabei: Wer auf den internationalen Märkten, auf denen die vom Konsumenten akzeptierten Weinpreise in der Regel deutlich höher sind als in Deutschland, so schwach aufgestellt ist, der muss sich nicht wundern, dass seine Weine immer noch zu Ramschpreisen verschleudert werden.

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Sie haben das Problem klar

Sie haben das Problem klar erkannt: Im Ausland sind die Preise für Wein in den Regalen erheblich teurer als bei uns. Ich habe beim Einkaufen in Deutschland oft das Gefühl, dass jeder deutsche Wnzer, der versucht, seinen Wein in Supemärkten zu verklicken, seinen Preis eher noch drückt. Daran ist aber sicher auch das Diktat der großen Supermärkte und Discounter schuld. Gute Qualität darf indes meiner Meinung nach auch seinen Preis haben. Aber da beißt sich wieder die Maus in den Schwanz: Die Winzer haben wohl Angst, dass Qualität nicht bezahlt wird, was für mich bedeutet, dass sie nicht richtig hinter ihrem Produkt stehen. Und wer so denkt, exportiert auch weniger.

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