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Frankreich: Sturm im Weinglas


(19.10.2013) -  

Frankreichs Weinindustrie ist auf den Barrikaden. Der Grund dafür ist ein Gerücht - hartnäckig, obwohl von Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll solche Pläne zumindest für die nahe Zukunft dementiert hat -, die Regierung Hollande-Ayrault wolle die Steuern auf Wein drastisch erhöhen. Damit werde, so die mächtige Lobby der zweitgrößten Exportindustrie des Landes, dem Weinbau der Grande Nation ein Dolchstoß versetzt, der tödlich sein könne. Zwei Gründe gibt es wohl für diese neue, höhere Steuer: Zum einen sind die französischen Staatskassen so leer, wie fast überall in Europa, zum anderen will die Regierung wohl der seit Jahren mehr oder weniger lautstark agierenden, mächtigen französischen Gesundheitslobby ein Stück weit entgegen kommen. Die neue Steuer, so wird argumentiert, könne den Weinkonsum zumindest auf ein "vernünftiges" Maß einschränken.


Während Frankreich immer mehr seiner großen Gewächse exportiert, gerät der Weinkonsum in der Grande Nation selbst zunehmend unter Druck. (Foto: E. Supp)

Nun ist es eine Tatsache, dass Wein in Frankreich bis dato so niedrig besteuert wird wie kein anderes alkoholische Getränk. 2,7 Cent pro 0,75-l-Flasche beträgt die Weinsteuer aktuell, das Äquivalent für Bier beläuft sich schon jetzt auf 27 Cent. Zum anderen ist es unbestreitbar, dass in Frankreich "traditionell" deutlich mehr Menschen alkoholbedingt, z. B. durch Unfälle umkommen als anderswo. Das Hauptargument der Weinlobby, die derzeit massiv gegen die Steuerpläne agiert und großangelegte Werbekampagnen schaltet, ist jedoch, dass die neue Steuer dazu führen könne, dass Frankreich in den wichtigen Exportländern wie China Marktanteile verlieren werden. Ob das tatsächlich aus einer solchen, nur im Inland erhobenen Steuer resultieren würde, müsste allerdings noch bewiesen werden. Vielleicht würden sich die Abnehmer französischer Weine sogar die Hände reiben, wenn der Konsum in der Grande Nation sänke und größere Weinmengen für den Export "frei" würden. Sinkende Einkaufspreise könnten dann auch Verbraucher locken, die bisher vielleicht eher nach Angeboten aus Billiglohnländern griffen.

Viel schwerwiegender erscheint dagegen der Versuch der Gesundheitslobby und ihrer Vertreter in der Regierung, der Weinkommunikation insbesondere im Internet einen mächtigen Riegel vorzuschieben. So sollen einschlägige Sites in Zukunft nur noch für User zugänglich sein, die beruflich mit Wein zu tun haben - eine Idee, die in kürzester Zeit zum Verschwinden sämtlicher Online-Publikationen führen könnte. Wie die Regierung dieses Vorhaben aber in die Tat umsetzen will, ob sie sämtliche Internetprovider zwingen will, entsprechende Filter mit aufwändiger Authentifizierung der User zu schalten, wodurch dann auch ein Ausweichen der Angebote auf ausländische Server nutzlos würde, ist nicht bekannt. Neue Steuern und das weitgehende Verbot von Kommunikationsmöglichkeiten für den Weinbau könnten allerdings mit relativ großer Sicherheit den bereits seit geraumer Zeit rapide sinkenden Weinkonsum in Frankreich selbst noch einmal deutlich unter Druck setzen.

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