WorldWine Blog

11.05.2013

von Eckhard Supp - Je oller, desto doller, dachte ich spontan, als ich das Paket ausgepackte, das mir ein freundlicher Paketbote überreicht hatte. Sein Inhalt: Eine Flasche Champagner eines der renommiertesten und ältesten Häuser der Appellation, Taittinger. Obwohl ich das erst einmal gar nicht glauben mochte, denn diese Aufmachung war noch ausgefallener, schriller als die jenes Rosé-Champagners aus dem Haus Jacquart, über den ich vor einigen Wochen schrieb.

 
Schrill und ausgefallen, die Ausstattung der Special Edition aus dem Hause Taittinger. Auch der Rosé von Jacquart war durch die eigenwillige Ausstattung aufgefallen. (Fotos: E. Supp)
20.04.2013

von Eckhard Supp - Die jüngste ProWein bot wieder mal Gelegenheit zum Staunen. Staunen über die Naivität einer ganzen Branche. Mit wem auch immer man über die Leserschaft bzw. die Auflagen von Print- und Onlinemedien sprach, darunter auch viele Anzeigenkunden dieser Medien - fast regelmäßig erntete man bei der bloßen Erwähnung der tatsächlichen Auflagen von Printmedien aus dem Wein- und Foodbereich nur ungläubige Blicke. "Was? Mehr verkaufen die nicht?", hieß es unisono, und fast immer klang das ein wenig, als wolle man den Überbringer der schlechten Nachricht einer dreisten Lüge bezichtigen. Ein Blick auf die neuesten, gestern veröffentlichten IVW(Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.)-Zahlen könnte für die Zweifler zu einem vielleicht unliebsamen, aber auch heilsamen Schock werden.

14.04.2013

von Eckhard Supp - Das reine Vergnügen ist es heutzutage nicht oder zumindest nicht immer, Cava-Erzeuger zu sein. Diesen Eindruck jedenfalls konnte man dieser Tage im Gespräch mit Eva Plazas Torné, der Weinmacherin von Vilarnau, dem Cava-Ableger des Sherry-Hauses Gonzales Byass gewinnen, die in Hamburg Station machte. Das Ambiente war perfekt gewählt, die Weinmacherin gut aufgelegt, das Essen toll ... und doch hing über dem Ganzen ein kleiner Schatten.



Landgüter in der Cava-Region Penedès und Cava auf dem Rüttelpult bei Vilarnau. (Fotos: E. Supp / Firmenfoto Vilarnau)

08.04.2013

von Eckhard Supp - Frankreich verliert die Lust am Wein. Diesen Schluss jedenfalls legen die Zahlen zum Weinkonsum der Grande Nation in den letzten Jahrzehnten nahe. Trank 1980 noch mehr als die Hälfte der Bevölkerung täglich zumindest ein Glas Wein, so ist dieser Anteil inzwischen auf 17 % zurückgegangen. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum fiel seit 1965, als er noch 160 l im Jahr betrug, auf gerade mal 57 l im Jahr 2010 und wird sich, allen Prognosen zufolge, in den nächsten Jahren in Richtung 30 l im Jahr entwickeln.


Noch sind Feste wie dieses, zumal, wenn sie in Weinbauregionen gefeiert werden, ohne Wein nicht denkbar. Ob auch hier eines Tages nur noch Sprudel und Cola auf dem Tisch stehen? (Foto: E. Supp)

07.04.2013

von Eckhard Supp - Ich erinnere mich noch gut an unser erstes Treffen. Von Rom aus war ich - ohne Auto, das ich damals nicht besaß - mit dem Zug Richtung Siena gestartet, dann mit dem Bus bis ins Zentrum von Montalcino gefahren. 1986 war das. Und nun stand ich da, hatte keine Ahnung, wo diese Tenuta il Greppo war, von der ich schon so viel gehört hatte, und wie ich dorthin kommen sollte. Zum Glück hatte ich eine Telefonnummer, und der freundliche Herr, der meinen Anruf entgegennahm, erklärte sich auch sofort bereit, mich vor der kleinen Bar, in der ich gelandet war, abzuholen. Es war Greppo-Besitzer Franco Biondi Santi höchstpersönlich, dottor Franco, der wenig später mit einem klapprigen kleinen Fiat-Pickup vorfuhr und mich samt Koffer und Fototasche aufgabelte. Heute gegen 15 Uhr ist Franco Biondi-Santi im Alter von 91 Jahren verstorben.


Franco Biondi Santi 1986 mit Hunden im Garten seines Weinguts und die alten Rebstöcke, die den Mythos Brunello begründeten. (Fotos: E. Supp)

30.03.2013

von Daniele Cernilli (www.doctorwine.it) - Lasst uns doch mal so tun, als könnten wir die Zukunft der Weinwirtschaft in der Welt vorhersagen! So in der Art der Gramscischen Andeutungen über das Universum (Brevi cenni sull'universo), wobei wir, wenn wir der Logik und den Tendenzen der Weltwirtschaft folgen, vielleicht wirklich etwas erahnen können. Nur so aus Spaß ...

28.03.2013

von Eckhard Supp - Manchmal erwartet man sich von einer Verkostung viel, vielleicht zu viel. Das war wohl auch der Fall, als ich die beiden Rosé-Champagner aus den Häusern Bollinger und Jacquart verkostete - beides Weine ohne Jahrgang, beide brut und beide ... nun, in gewisser Weise enttäuschend. Während der Bollinger Brut rosé mit feinem Perlage, etwas Lychee-, Bonbon- und Gärnoten im Duft recht stoffig und fest wirkte, aber aromatischen Ausdruck und Länge am Gaumen vermissen ließ, wirkte der Jacquart mit seinem doch recht groben und unregelmäßigen Perlage und seinem klaren Manko an Fülle und Struktur zwar korrekt, aber ziemlich einfach.


Zwei Mal Rosé-Champagner, mal klassisch, mal poppig ausgestattet. (Foto: E. Supp)

04.03.2013

von Eckhard Supp - Die erste Ausgabe des deutschen Riesling-Challenge geht auf die Schlussgerade. Nach insgesamt fünf Vorproben, bei denen etwa 250 Muster - ein Gutteil der ca. 215 eingereichten Weine musste ein zweites Mal verkostet werden, sei es, weil sich die Verkoster uneinig waren, sei es, weil Korkverdacht bestand - in blinder Probe anstanden, chafften es 47 in die Endrunde, wobei wir einer kleinen Zahl Weinen, die es von der Durchschnittswertung her eigentlich nicht geschafft hätten, noch eine weitere Chance einräumten, da die Urteile über sie doch sehr divergierten.


Einen traumhaften Riesling "trocken" vom Würzburger Stein erhielten wir auch. Leider  konnten wir ihn für den Wettbewerb nicht berücksichtigen: Es war eine Trockenbeerenauslese. (Foto: E. Supp)

22.02.2013

von Eckhard Supp - Erst vor kurzem schrieb ich für die Foodzeitschrift Effilee eine Glosse, in der ich mich über allzu vollmundiges und substanzloses Weinmarketing ausließ. Anlass dafür war eine Begnung im Rahmen der letzten südafrikanischen Weinmesse Cape Wine, bei der mir ein smarter deutscher Unternehmensberater und Neuling im Weinbusiness allen Ernstes weismachen wollte, er habe jetzt einen neuen Wein auf den Markt gebracht, der ENDLICH dafür sorgen werde, dass Südafrika international Ernst genommen werden müsse, und der ganz sicher ein Modell für den südafrikanischen Weinbau schlechthin werden würde.

20.02.2013

von Eckhard Supp - Der Saal tobte. Mühsam nur konnte sich ein Redner Gehör verschaffen. Ein, zwei Minuten ging das so, dann erklang von den hinteren Reihen lauter Gesang, in den schon nach wenigen Takten fast alle im Saal einstimmten: "Avanti popolo, alla riscossa, bandiera rossa ...". Es war die langersehnte Revolution, der Chianti Classico war in Aufruhr. Oder war die Phantasie mit mir durchgegangen? Nun, die mächtigen Chöre mit dem Schlachtlied der italienischen Linken hatte ich wirklich nur geträumt. Statt vor Kampfesröte zu erstrahlen, wirkten die Gesichter um mich herum eher gelangweilt. Aber ausschließlich eingebildet hatte ich mir das Ganze dennoch nicht.


Auch wenn die Toskana, vor allem die südliche mit Siena als ihrem wirtschaftlichen und spirituellen Zentrum, traditionell immer als Hochburg der Kommunisten galt - bei dem, was in diesen Tagen den Chianti Classico bewegt, von Revolution zu sprechen, wäre dann doch ziemlich verwegen. (Foto: E. Supp)
29.01.2013

von Eckhard Supp - Es war einer jener Momente, in denen man zunächst glaubt, nicht richtig gelesen zu haben. "Werden Sie südafrikanische Weine boykottieren?", wollte die Internet-Umfrage von mir wissen, und ein wenig überraschend, ja irritierend wirkte die Frage schon. Zumal der Blick auf das Datum und den Namen der Publikation verrieten: Nein, das war kein Artikel aus den späten 1970er oder den 1980er Jahren und auch die Publikation war keine, in der man jede Menge unverbesserlicher Apartheid-Hardliner vermuten würde.

Die Frage thronte dick und fett über einer Umfrage, welche die Online-Ausgabe des liberalen britischen Guardian vor wenigen Tagen seinen Lesern zur Abstimmung vorsetzte.


Gegen das Apartheid-Regime war der internationale Boykott ein wirksames politisches Mittel, das letztlich den radikalen Umbruch herbeiführte oder zumindest beschleunigte. Aber inflationäres Wiederaufwärmen der alten Slogans könnte den Schwarzen heute mehr schaden als nutzen. (Foto: E. Supp)

25.01.2013

von Eckhard Supp - Eine Schule, das jedenfalls behauptet mein Duden, ist "eine öffentliche oder private Einrichtung, in der Kindern und Jugendlichen durch planmäßigen Unterricht Wissen, Bildung vermittelt wird". Nun könnte man diese Definition sicher noch ergänzen, weil heutzutage auch Erwachsene auf Schulen gehen, aber das ist hier nicht der Punkt. Seit heute weiß ich nämlich, dass der Duden komplett daneben liegt. Mit der gesamten Definition.


Dirk Würtz? Ja, der ist hier vor ein paar Tagen
vorbeigekommen. (Foto: E. Supp)

13.01.2013

von Eckhard Supp - Noch ein Weinwettbewerb ... !? Ein wenig gelangweilt klang die Frage schon, die in der abgelaufenen Woche verschiedentlich in den Social Networks gestellt wurde. Noch bevor wir - "wir" das sind in dem Fall ENO WorldWine und die Zeitschrift Effilee - selbst die Absicht, einen Deutschen Riesling-Challenge ins Leben zu rufen, im Netz kommunizieren konnten, war einer der Winzer, die wir dazu eingeladen hatten, in die Offensive gegangen, offenbar offenbar vor allem durch die Tatsache motiviert, dass wir für die Teilnahme einen kleinen Kostenbeitrag verlangten, was er partout nicht akzeptieren wollte.


Weinlese im Rheingau - von hier kamen die ersten Anmeldungen für den neuen Weinwettbewerb. (Foto: E. Supp)
07.01.2013

von Eckhard Supp - Facebook war mal wieder Schuld! Oder besser, der Kollege Mario Scheuermann. Der postete nämlich am vergangenen Samstag einen Link zur Onlineseite des (zumindest bis vergangenen Samstag) renommierten Fachmagazins Wirtschaftswoche. Der Artikel, in dem es um die Liberalisierung der Pflanzrechte des europäischen Weinbaus durch die EU ging, war zwar eigentlich nicht der Rede wert - er bestand hauptsächlich aus zwei oder drei von Weinbaufunktionären und dem baden-württembergischen Verbraucherminister Alexander Bonde vom Bündnis 90/Die Grünen übernommenen, ziemlich substanz- und haltlosen Behauptungen, wie schlimm eine Freigabe der Pflanzrechte den deutschen Weinbau treffen würde.

30.12.2012

von Eckhard Supp - Es gibt viele Dinge, die ich in meinem Leben nie verstanden habe. Eines davon ist die Tatsache, dass Wein im BiB - Bag-in-box alias Weinschlauch für all diejenigen, die sich mit Abkürzungen nicht so gut auskennen - hierzulande nie richtig populär wurde. Ich habe die praktischen 3-l-Kartons, deren Inhalt durch weitestgehenden Luftabschluss auch nach dem ersten "Anzapfen" im Extremfall tage- oder sogar wochenlang haltbar bleibt, bereits Ende der 1970er Jahre in Australien kennen- und schätzen gelernt.