WorldWine Verkostungsreport

März 2013

Südafrika zwischen Traum und Realität

Unsere Topweine
 

Es hat lange gedauert, bis wir diesen Verkostungsreport, für den die Proben schon auf der Kapstädter Cape Wine im vergangenen September begannen, fertigstellen konnten. Schuld daran war vor allem die herzzerreißend komplizierte Speditionslogistik inklusive eines nicht unbedingt kooperativen Zolls, die mehr als 130 Weine über einen Monat lang in Hamburg immobilisierten - und das, nachdem die selben Weine schon im Hafen von Kapstadt eine ganze Weile auf ihre Verladung hatten warten müssen.


Klein aber fein: Das Weingut Scali von Willi und Tania de Waal im Gebiet von Vor Pardeberg. (Foto: E. Supp)

Ende gut, alles gut ... und hier ist er endlich: der wohl umfangreichste Verkostungsreport zum Thema, den nicht nur ENO WorldWine je veröffentlicht hat. Insgesamt gesehen verdeutlicht dieser Report die enormen Qualitätsfortschritte, die Südafrikas Weinindustrie in den letzten 15, 20 Jahren gemacht hat. Wenn wir die aktuellen Verkostungsnotizen mit denen unserer ersten relativ umfassenden Probe aus den 1990er Jahren (s. unser Weinarchiv) vergleichen, dann könnte der Kontrast, insbesondere bei den Weißweinen nicht markanter sein. Natürlich gibt es auch einige Schwachpunkte: So ist uns bis heute nicht einsichtig, warum Südafrika sich ausgerechnet mit Pinot noir und Sauvignon blanc verlustieren sollte, wenn es doch andere Rebsorten mit so viel mehr Potenzial gibt.

Dass zu unserer Probe in Hamburg andererseits auch noch relativ wenig Chenin blanc und Pinotage, die südafrikanische Rotweinsorte schlechthin und die beste Weißweinsorte in all unseren Verkostungen, eingeschickt wurden, lässt die Frage aufkommen, ob Südafrikas Erzeuger wirklich die Notwendigkeit erkannt haben, mit unverwechselbaren, charakteristischen und ausdrucksvollen Weinen - d. h. mit einer USP (Unique Selling Proposition) - auf den Weinmärkten dieser Welt aufzutreten, wenn sie sich wirklich dauerhaft - heute nennt man das wohl nachhaltig - im Premium und Super-Premium-Bereich etablieren wollen.

Mehr Profil zeigen

All das zeigt, dass das Land immer noch auf der Suche nach einer Identität ist, wie nicht nur die Spezialistin für Alte Reben, Rosa Kruger, in dem Portrait, das wir kürzlich von ihr veröffentlichten, beklagt. Es geht auch - unfreiwillig - aus der Antwort von WOSA (Wines of South Africa)-Chefin Su Birch auf eine entsprechende Bemerkung auf unserem Twitter-Account hervor: "We are confident..of our shiraz, cabs, chardonnays, sav blancs and much more. No one trick pony, South Africa", und "Diversity is a fact of our soils, climates etc. So even though it is a challenge to communicate, it is what and who we are." Nein, liebe Südafrikaner! Diversität ist keine USP und auch kein Ersatz dafür, und ein Marketingkonzept schon mal gar nicht!

Noch ein weiterer Punkt, der die Schlagzeilen der letzten Monate gefüllt hat, bereitet Sorte: Die sozialen Unruhen, die vom Bergbau um Johannesburg ausgehend, inzwischen auch andere Landesteile und die Landwirtschaft erreicht haben. Einmal abgesehen davon, welche Betonköpfe jedweder politischen Couleur hier ihre politischen Süppchen kochen, bleibt die Tatsache, dass Südafrika ein sozial zerrissenes Land ist.

Wenn nach 1994 die Schwarzen auf eine bessere Zukunft hofften und die Weißen darauf, dass nach dem Ende der Apartheid vielleicht doch alles nicht so schlimm werden würde, sprich, sie ihre Privilegien würden verteidigen können, dann zeigt sich seit einiger Zeit, dass beide Seiten dabei wohl eher ihren Illusionen aufsaßen und im Moment wieder recht unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden. Gerade angesichts einiger der extrem auffälligen und aufwändigen Kellerneubauten der letzten Zeit, die mit Sicherheit viele Millionen verschlungen haben, fragt man sich als unabhängiger Beobachter, ob nicht zumindest ein kleiner Teil dieser Investitionen statt in Beton besser in menschenwürdige Löhne und die Bildung der meist schwarzen Landarbeiter und ihrer Kinder getätigt worden wären.


Pomp und Protz im Bioweingut Waterkloof. Die eine oder andere Million wäre vielleicht besser in Menschen anstatt in Beton und Glas investiert worden. (Foto: E. Supp)

Eine Spur weniger Pomp und Protz hier und da hätte der Qualität der Weine und dem Erfolg auf den Auslandsmärkten mit Sicherheit keinen Abbruch getan, stünde aber einem Land, das - zumindest in seiner Werbung - so viel Erfolg auf Nachhaltigkeit legt, deutlich besser zu Gesicht. Nachhaltigkeit ist eben letztlich doch etwas anderes, als eine rein ökologisch angehauchte Marketingformel. Aber auf diese Problematik werden wir in Kürze in unserem bereits versprochenen Beitrag zu Ethik und Business in Südafrika genauer eingehen.

Die Besten der Besten

Aber zurück zu den erfreulicheren Tatsachen. Aus den ziemlich genau 3.000 Verkostungsnotizen der letzten 15 oder 20 Jahre haben wir einmal eine Liste der besten südafrikanischen Weine und Weingüter errechnet. Die besten Weine, von denen wir mindestens 3 Jahrgänge verkostet haben, sind:
Lady May (Glenelly)
Anwilka (Klein Constantia)
Le Sommet (Mont du Toit)
Ronnie Melck family selection (Muratie)
Cornerstone (Reyneke)
Elevation 393 (De Toren)
Shiraz - Mourvèdre (Beaumont)
Steytler Vision (Kaapzicht)
Synergy blend (Beyerskloof)
Syrah (Scali)
Engelbrecht Els Proprietor's Blend (E. Els)
Syrah (Boekenhoutskloof)
Syncronicity (Meinert)
Blanc (Scali)
Syrah (Cirrus)
Cobblers Hill (Jordan)
FMC (Forrester)
Chenin blanc (Reyneke)
Fusion V (De Toren)
Pinotage Steytler (Kaapzicht)
Shiraz SSS Limited Edition (Saxenburg)

Weitere hervorragende Weine, von denen wir weniger als drei Jahrgänge verkostet haben:
Book 17 (De Toren)
Outsider Shiraz (Jack & Knox)
Signature (E. Els)
Reyneke Reserve (Reyneke)
Cabernet Sauvignon (Meinert)
Pinotage (Mont Destin)
Viognier Tamboerskloof (Kleinood)
Cabernet Sauvignon (Land of Hope)
Syrah Reserve (Kleinood)

Unter den besten Weingütern, d. h. denen, die in den letzten 10 Jahren mit ihrem gesamten Sortiment glänzen konnten, findet man naturgemäß mehr oder weniger die selben Namen. Natürlich ist eine solche Leistung bei Erzeugern, die ein umfangreiches Sortiment anbieten, naturgemäß höher einzuschätzen, als bei solchen, die nur zwei oder drei Weine im Programm haben. Deshalb fehlt hier auch der eine oder andere Betrieb, der bei den Top-Weinen vertreten ist, aber auch den einen oder anderen einfacheren Konsumwein im Programm hat. Aber das sind Erwägungen, die jeder für sich selbst anstellen kann. Hier jedenfalls einfach einmal die Namen, die von uns mit drei "@" ausgezeichnet werden:
De Toren (Stellenbosch)
De Trafford (Stellenbosch)
Ernie Els (Stellenbosch)
Reyneke Wines (Stellenbosch)
Scali - W. de Waal (Vor Paardeberg)
The Sadie family (Swartland)
Kleinood Winery (Stellenbosch)
Crystallum Wines (Walker Bay)
Glenelly Estate (Stellenbosch
Mullineux Family Wines (Swartland)
Rickety Bridge (Franschhoek)

Sie können unsere Arbeit durch eine Spende unterstützen.

Sämtliche Weine der Verkostung

4G - Ken Forrester
Ken Forrester - Klein Constantia
KWV - Reyneke
Reyneke - Stark-Condé
Stark-Condé - Waterford

Die letzten Verkostungsreports

Neuseeland - Nicht nur Sauvignon
 Portugal - Revolution in rot
Österreich weiß 2012
Piemont 2012

zum kompletten Degustationsarchiv (Reports & Highlights)
zum Weinarchiv (+ 50.000 verkostete Weine)
 

Unsere Top 50

    ***** De Toren Private Cellar (Vlottenburg) - Stellenbosch Book 17 2010

    ***** De Trafford (Stellenbosch) - Stellenbosch Elevation 393 2007

    ***** Scali - W. & T. De Waal (N-Paarl) - Vor Paardeberg Syrah 2006

    ***** Klein Constantia (Pty) Ltd. (Constantia) - Stellenbosch Anwilka 2008

    ***** ? Reyneke Wines (Stellenbosch) - Stellenbosch Reyneke Reserve red 2009

    ***** Glenelly Estate (Stellenbosch) - Stellenbosch Lady May 2010

    ***** Scali - W. & T. De Waal (N-Paarl) - Vor Paardeberg Syrah 2003

    ***** Reyneke Wines (Stellenbosch) - Stellenbosch Reyneke Reserve red 2008

    ***** + Beaumont Wines (Bot River) - Walker Bay Shiraz - Mourvèdre 2010

    ***** + Glenelly Estate (Stellenbosch) - Stellenbosch Lady May 2008

    ***** + Glenelly Estate (Stellenbosch) - Stellenbosch Lady May 2009

    ***** + Scali - W. & T. De Waal (N-Paarl) - Vor Paardeberg Syrah 2007

    ***** + Reyneke Wines (Stellenbosch) - Stellenbosch Cornerstone 2011

    ***** + Klein Constantia (Pty) Ltd. (Constantia) - Stellenbosch Anwilka 2011

    ***** + De Toren Private Cellar (Vlottenburg) - Coastal Region Fusion V 2010

    ***** + De Trafford (Stellenbosch) - Stellenbosch Syrah 393 2010

    ***** Beaumont Wines (Bot River) - Walker Bay Shiraz - Mourvèdre 2009

    ***** The Winery of Good Hope (Pty) Ltd - Radford Dale (Somerset West) - Stellenbosch Cabernet Sauvignon Land of Hope 2011

    ***** Scali - W. & T. De Waal (N-Paarl) - Vor Paardeberg Blanc 2008

    ***** Stark-Condé (Stellenbosch) - Jonkershoek Valley Oude Nektar 2008

    ***** Kleinood Winery (Stellenbosch) - Stellenbosch Syrah Reserve 2009

    ***** Kleinood Winery (Stellenbosch) - Stellenbosch Syrah Reserve 2010

    ***** De Trafford (Stellenbosch) - Stellenbosch Cabernet Sauvignon 2009

    ***** Vera Cruz Estate - Delheim (Koelenhof) - Simonsberg - Stellenbosch Estate Shiraz 2009

    ***** Anthonij Rupert Wines (Franschhoek) - Western Cape Anthonij Rupert 2007

    ***** Warwick Wine Estate (Muldersvlei) - Simonsberg Stellenbosch Trilogy 2009

    ***** Scali - W. & T. De Waal (N-Paarl) - Vor Paardeberg Blanc 2009

    ***** Scali - W. & T. De Waal (N-Paarl) - Vor Paardeberg Pinotage 2000

    ***** Scali - W. & T. De Waal (N-Paarl) - Vor Paardeberg Syrah 2008

    ***** Stark-Condé (Stellenbosch) - Jonkershoek Valley Cabernet Sauvignon Three Pines 2009

    ***** Rickety Bridge Estate Wines (Franschhoek) - Paarl Cabernet Sauvignon Paulina’s Reserve 2009

    ***** Rickety Bridge Estate Wines (Franschhoek) - Franschhoek The Bridge 2008

    ***** Crystallum Wines (Hermanus) - Walker Bay Chardonnay Clay Shales 2011

    ***** Vuurberg Wine (Stellenbosch) - Western Cape Vuurberg white 2011

    ***** Crystallum Wines (Hermanus) - Swartland Paradisum 2010

    ***** Vuurberg Wine (Stellenbosch) - Western Cape Vuurberg Reserve red 2009

    ***** Meerlust Estate (Faure) - Stellenbosch Cabernet Sauvignon 2009

    ***** Springfield Estate (Robertson) - Robertson Chardonnay méthode ancienne 2002

    ***** Saronsberg (Tulbagh) - Coastal Region Seismic 2007

    ***** Mont du Toit (Wellington) - Coastal Region Mont du Toit 2007

    ***** Mont du Toit (Wellington) - Coastal Region Le Sommet 2003

    ***** Muratie Wine Farm (Pty) Ltd. (Koelenhof) - Simonsberg-Stellenbosch Ronnie Melck family selection 2008

    ***** Beyerskloof (Koelenhof) - Stellenbosch Faith 2008

    ***** Beyerskloof (Koelenhof) - Stellenbosch Field Blend 2007

    ***** Mullineux Family Wines (Riebeek Kasteel) - Swartland Chenin blanc Kloof Street 2012

    ***** Vriesenhof (Stellenbosch) - Stellenbosch Kallista 2005

    ***** Meerlust Estate (Faure) - Stellenbosch Rubicon 2008

    ***** Kaapzicht Estate Pty. Ltd (Stellenbosch) - Stellenbosch Steytler Vision 2008

    ***** Shannon Vineyards & Wines (Elgin) - Elgin Mount Bullet 2010

    ***** Raats family wines (Stellenbosch) - Stellenbosch Cabernet franc 2010


Sehr geehrte Damen und Herren

Sehr geehrte Damen und Herren bei der WOSA,
einmal abgesehen vom eigentlichem Thema, nämlich dem Wein und seinem Geschmack, werden Sie sicher schon festgestellt haben, dass im Zusammenhang mit Südafrikanischem Wein automatisch eine politische Diskussion einher geht. Dieses Thema unter den Teppich zu kehren zu wollen wird die Diskussion nicht beenden, sondern gibt Kritikern einfach noch mehr Raum für Spekulationen. Ich möchte mir nicht anmaßen zur politischen Situation in Südafrika Stellung zu nehmen würde mir aber wünschen, dass die WOSA zu den immer wiederkehrenden Vorwürfen endlich Stellung nimmt. Marketing für Südafrikanischen Wein ist nämlich nicht nur eine Frage der „Diversity“ oder welche Rebsorte eventuell mehr Potential hat, sondern geht viel mehr um die Entwicklung einer unverwechselbaren Marke und deren Image.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Christoph Rebok

Hallo Herr Rebok, genau das

Hallo Herr Rebok,
genau das war mein Anliegen, als ich den Punkt mit der sozialen Situation ansprach, obwohl sich der eine oder andere wundern mag, was das in einem Weinartikel zu tun hat. Zu den Stellungnahmen von WOSA habe ich mich in der Vergangenheit schon geäußert. Immer wieder zu betonen "Wir tun doch schon was", ist in der aktuellen Situation m. E. bei weitem nicht genug. Vielleicht sind den WOSA-Leuten bei ihren öffentlichen Stellungnahmen ja durch die Mitglieder ein wenig die Hände gebunden, aber über kurz oder lang wird diesbezüglich mehr Problembewusstsein sichtbar werden müssen.

Die WOSA hat auf Ihrer

Die WOSA hat auf Ihrer Facebook Seite dazu Stellung genommen, welche sich hier nachlesen lässt: http://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=161289220693944&id=1166...

Kommentieren Sie diesen Artikel / Your comment

CAPTCHA

Bitte tragen Sie die untenstehenden Zeichen in das Eingabefeld ein. Captcha hilft uns bei der Vermeidung von automatisierten Eingaben.