WorldWine Leser fragen...

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20. August 2014

Hallo, habe eine Flasche Pinot Nero Sanvalino Spätburgunder vom Weingut Rudolf Müller von meinem Opa erhalten. Er meinte diese sei mindestens 20 Jahre wenn nicht sogar 30 Jahre alt. Leider finde ich keinerlei Informationen  ber dieses Tröpfchen. Kann mir vielleicht jemand sagen was dieser (grob) Wert ist? Vielen Dank.

ENO WorldWine antwortet: Vielen Dank für Ihre Anfrage. Sie haben Recht, über diesen Wein gibt es praktisch keine Informationen mehr. Sanvalino ist bzw. war eine Weinmarke der Weinkellerei Rudolf Müller GmbH & Co. in Reil an der Mosel. Die Weine wurden, wenn ich das richtig erinnere, aus zugekauften Trauben oder Mosten. hergestellt. Sie schreiben, ihre Flasche sei mindestens 20, vielleicht sogar 30 Jahre alt? Prinzipiell glaube ich nicht, dass so alte Burgunder aus Deutschland, die nicht von einem der wenigen sehr bekannten Renommiergüter stammen, überhaupt noch einen messbaren Wert haben. Das gilt natürlich um so mehr, wenn der Wein ohne Jahrgangsbezeichnung verkauft wurde. In diesem Fall kann mein Rat nur heißen: Korken ziehen und probieren, ob der Wein überhaupt noch trinkbar ist. Sonst ist er leider nur noch ein Fall für den Ausguss.


11. Februar 2013

Achim Grützmacher fragt: Hallo, gelegentlich beschweren sich Weinkritiker über sog. Kellertechniken, als wären das Methoden, den Wein äußerlich (Farbe, Flüssigkeit usw.) in der Qualität hochzuschummeln. Haben Sie Beispiele und Erklärungen der Wirkungsweise für Techniken, die angewandt werden?

ENO WorldWine antwortet: Nachdem die Kellertechnik bzw. die im Keller angewandten önologischen Verfahren zwischen den 1970er und 1990er Jahren enorme Bedeutung und Beachtung genossen, da es seinerzeit vor allem darauf ankam, erst einmal "technisch" saubere Weine ohne Essigstich, ohne Mufftöne, ohne Böckser und ohne Knoblauchgeruch zu erzeugen, im Fall von Rotweinen im Unterschied zu früher auch mit stabiler, guter Farbe, ist seit einiger Zeit ein Stand erreicht, der es erlaubt, sich wieder verstärkt anderen Bereichen des Weinmachens zuzuwenden wie der Weinbergspflege oder der Frage, wie man Weine mit mehr geschmacklicher Individualität und Typizität erzeugen kann.

Teile der Weinpublizistik haben das in Form einer Kritik dieser über 20, 30 Jahre entwickelten Kellertechniken und an den zahlreichen chemischen Hilfsmitteln aufgegriffen, die heutzutage Verwendung finden, und werfen den Erzeugern recht pauschal vor, die Weine mit ihrer Hilfe zu verfälschen, den Weinbau zu "industrialisieren".

Prinzipiell sollte man einmal festhalten, dass alles, was gesetzlich erlaubt ist, nicht als "Schummeln" bezeichnet werden kann. Ob dadurch gleich alles, was erlaubt auch wünschenswert ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Konkrete Beispiele für Kellertechniken und chemische Hilfsmittel finden Sie diese in unserem Lexikon, etwa unter den Stichwörtern chemische Hilfsmittel, Kellertechnik, Barrique, Weinfehler, Weinkrankheiten, Weinbereitung etc.


10. Februar 2013

Beatrix Komposch fragt: Was ist eine Positivlese?

ENO WorldWine antwortet: Im Unterschied zur Negativlese, bei der unreife oder geschädigte Trauben ausgelesen und in der Regel weggeworfen werden, erntet man bei der Positivlese nur besonders hochwertige, etwa edelfaule Beeren oder Trauben, aus denen dann edelsüße oder besondere Selektionsweine gekeltert werden. Mehr zu den verschiedenen Arten und Etappen der Weinlese finden Sie in unserem Weinlexikon unter dem Stichwort "Ernte".


5. Februar 2013

Heiko Solbach fragt: Hallo, manche Experten sagen, dass der Naturkorken zwar wasserdicht ist, aber eine ganz geringe Menge Luft durch lässt, und dadurch würden die Weine reifen. Andere sagen der Korken wäre, nach neusten Erkenntnissen, komplett dicht, und die Menge Luft die noch in der Flasche ist,reiche aus für eine Flaschenreifung. Was ist denn jetzt richtig?

ENO WorldWine antwortet: Die Frage ist recht vielschichtig und lässt sich nicht mit einem einfachen ja/nein oder richtig/falsch beantworten. Prinzipiell ist es so, dass die Alterungsreife von Weinen, vor allem von Rotweinen, durch Sauerstoff gefördert wird, da dieser die Polymerisation der Tannine anregt. Bei dieser Polymerisation werden kleine Tannin-Moleküle zu größeren Ketten verknüpft, die geschmacklich weniger aggressiv und adstringierend wirken. Der Wein wirkt dadurch runder, harmonischer. Wie viel Sauerstoff ein Wein braucht, hängt neben dem Tanningehalt von einer Reihe weiterer Faktoren ab: vom Schwefelgehalt, von der Farbdichte, von evtl. vor dem Filtern noch vorhandenen Trubstoffen etc. - also von Weininhaltsstoffen, die ebenfalls Sauerstoff binden bzw. benötigen.

Der benötigte, von Wein zu Wein unterschiedliche Sauerstoff wird im optimalen Fall während der Gärung (durch Gärung in offenen Bottichen oder Umpumpen der Maische etc.) und während des Ausbaus im Holzfass zugeführt. Wurde dabei das richtige Sauerstoffgleichgewicht erreicht, so wird während der Flaschenlagerung im Prinzip kein weiterer Sauerstoff mehr benötigt: Alle Inhaltsstoffe, die ihn brauchen, haben ihn bereits bekommen und an sich gebunden.

Deshalb ist ein qualitativ hochwertiger Kork nicht nur wasser-, sondern auch luftdicht. Denken Sie nur daran, dass man früher besonders hochwertige Weine nicht nur mit den besten, dichtesten Korken verschloss, sondern sie zusätzlich noch mit einer Schicht Siegellack überzog, bevor man sie zur jahre- oder jahrzehntelangen Alterung weglegte. Dieser doppelte Verschluss ließ dann mit Sicherheit (fast) keinen Sauerstoff mehr in die Flasche gelangen. Und deshalb ist ein guter Schraubverschluss, der wirklich luftdicht abschließt, heute auch eine dem Naturkork mindestens ebenbürtige Alternative.

Bei Weinen, die für den schnelleren Konsum bestimmt waren (sind), konnten (können) auch Korken geringerer Qualität verwendet werden, und den Siegellack sparte man sich da auch sehr gerne, da das Aufbringen sehr arbeitsaufwändig war. Werden dagegen Weine, die längere Zeit gelagert werden sollen, um größere aromatische und geschmackliche Komplexität zu erreichen, mit Naturkorken verschlossen, die substanzielle Mengen Sauerstoff in die Flasche gelangen lassen, so ist die Gefahr sehr groß, dass die Weine rasch oxidieren und nach einer Weile sogar umkippen und verderben.


29. März 2011

Manfred Bieller fragt: Was für einen Wein trinkt man zu Fisch. Ich habe da keine Ahnung.

EWW antwortet: Eine einfach klingende Frage, auf die es aber keine ganz einfache Antwort gibt. Und zwar vor allem deshalb, weil Fisch nicht gleich Fisch und Fischrezept nicht gleich Fischrezept ist, und weil selbst Weine derselben Herkunft und desselben Jahrgangs ziemlich unterschiedlich schmecken können, je nachdem, wer sie gemacht hat.

Im Prinzip gilt, dass Fisch geschmacklich delikater ist als beispielsweise Fleisch. Also passen allzu vorlaute, stark aromatische oder extrem kräftige und körperreiche Weine nur in den selteneren Fällen, weil sie das Eigenaroma des Fischs übertönen könnten. Ansonsten sind den Variationsmöglichkeiten keine Grenzen gesetzt, und herzhafte Saucen auf Butterbasis vertragen sogar durchaus tanninbetonte Rotweine.

Generell wird man zu gedämpftem und gegrilltem Fisch eher leichtere, neutralere Weißweine wie Müller-Thurgau oder Silvaner Kabinett, Vinho verde aus Portugal, leichteren Grünen Veltliner oder Welschriesling aus Österreich, vielleicht auch einen trockenen Orvieto aus Italien empfehlen. Fisch mit kräftigen Saucen oder gebackener Fisch vertragen auch aromatischere oder kräftige Weiße wie einen Riesling, einen Sauvignon blanc oder einen Gewürztraminer.

Aber: All diese Empfehlungen können auch gründlich "in die Hose gehen". Ob der Fisch und der Wein zusammen passen, hängt letztlich doch wieder davon ab, wie genau der Fisch zubereitet, wie der einzelne Wein gemacht wurde. Wie bei allen Kombinationen von Speisen und Weinen gilt auch hier: Probieren geht über Studieren!


12. August 2010

Joachim Schwaiger fragt: Es scheint mir so, dass die 13 Weinregionen Deutschlands bezüglich der A.P.-Nr. zum Teil unterschiedliche Größen und damit Bedeutungen aufweisen. (Z.B. Bayern und Rheinland-Pfalz) Haben Sie bzw. gibt es eine Übersicht, aus der ersichtlich ist, wie die A.P.-Nummern der einzelnen Regionen aufgebaut sind? Für eine Info danke ich schon im Voraus.

EWW antwortet: Es ist tatsächlich so, dass die A.P.-Nummern in den Bundesländern, nicht in den einzelnen Weinbaugebieten, unterschiedlich ausfallen. Ursache dafür ist die Tatsache, dass die jeweiligen Bundesländer verschieden große und komplexe Weinbaustrukturen besitzen.

Rheinland-Pfalz mit seinen riesigen Weinbauflächen und zahlreichen Weinbaugebieten hat das wahrscheinlich komplexeste System von A.P.-Nummern. Hier steht die erste Ziffer für die Prüfstelle, dahinter folgen zwei oder drei Stellen für den Ort, drei Stellen für den Erzeuger bzw. Abfüller (ein Betrieb kann aber auch mehrere Nummern beantragen) und noch einmal drei Stellen für den Antrag bzw. den genauen Wein dieses Abfüllers. Die letzten beiden Ziffern stehen für das Antragsjahr (nicht für den Weinjahrgang).

In Bundesländern mit nur einer Prüfstelle entfallen die entsprechenden Ziffern, Länder mit nur wenigen Weinbaubetrieben sparen sich auch die Ortskennzahl.

Am besten liest man die A.P.-Nummern von hinten: dann stehen die ersten beiden Ziffern für den Antragsjahrgang, die nächsten drei für den Antrag bzw. den Wein und wieder die nächsten drei für den Betrieb, dann folgen ggf. der Ort und die Prüfstelle.


11. August 2009

Janusz Dudkowski fragt: Was gibt's beim "Grünen Punkt" für Weinhändler zu beachten? Wer muss was bezahlen? Wo bekomme ich seriöse Infos?

EWW antwortet: Bei solchen Detailfragen aus der Handessphäre gibt es bestimmt kompetentere Ansprechpartner. Unter Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH - Home sollten Sie das Wichtigste zu diesem Thema finden.


24. Mai 2009

Afraa Zammam fragt: Gibt es eine Statistik zum Weinkonsum bei verschiedenen Alters- und Preisgruppen in Deutschland?

EWW antwortet: Eine Statistik zum Weinkonsum in den unterschiedlichen Altersgruppen können wir auf die Schnelle nicht finden, bleiben aber am Ball. Bei den Preisgruppen bietet sich folgendes Bild: < 1,50 EUR = 29,7 % des konsumierten Weinvolumens, 1,50 - 2,50 EUR = 35,8 %, 2,50 - 3,50 EUR = 18,6 %, 3,50 - 5,00 EUR = 10,6 %, mehr als 5,00 EUR = 5,3 % (Quelle: Rabobank)


22. April 2009

Franz Wagner fragt: Was heißt eigentlich "pinking". Habe dieses Wort schon öfters in Verbindung mit leicht gefärbten Weißweinen gehört, kann mir aber sonst nichts darunter vorstellen.

EWW antwortet: Unter "pinking" (zu engl. pink "rosa") versteht man eine selten auftretende rosa Verfärbung von Weißweinen nach dem Füllen, die vermutlich starken oxidativen Einflüssen während des Füllens geschuldet ist. Was dabei in chemischer Hinsicht genau mit dem Wein passiert, wurde noch nicht schlüssig nachgewiesen.